Basics 12.08.2016

Ihr wollt ein Label gründen? Wie das geht.

Checkliste zur Labelgründung (Langversion)

Oft werden wir gefragt, wie man eigentlich ein Label gründet, und wie man dabei vorgeht.
Wir möchten Euch hier einen Überblick geben.

Was ist eigentlich ein Label?

Ein Musiklabel, Plattenlabel oder kurz Label ist ein in der Musikindustrie eigenständig geführtes Unternehmen, das sein Repertoire unter einem bestimmten Markennamen vertreibt.

Die Hauptfragen sind:

  • Welche Kosten entstehen, um das Label zu gründen und die ersten Produktionen zu finanzieren?
  • Wie lange dauert es, bevor Einnahmen aus den ersten Verkäufen eintreffen?
  • Habe ich genügend finanzielle Rücklagen?
  • Bin ich als Person dafür geeignet?    
  • Habe ich genügend Zeit und Kraft für ein eigenes Unternehmen?


Finanzbedarf:

Grob geschätzt, benötigt man für eine Labelgründung circa 10.000 € auf der hohen Kante, damit man in der ersten Zeit nicht in finanzielle Nöte gerät.

Direkte Gründungskosten und Vorfinanzierung (Beispiel):
Es sind mit folgenden Mindestkosten für Gründung und die Vorfinanzierung der 1. Produktion zu rechnen (circa, brutto):

  • Gewerbeamt, min. 26€
  • VUT-Mitgliedschaft, min. 240 €
  • Patentamt Markenschutz, min. 300 €
  • EAN Barcode, min. 49 €*
  • ISRC Code,  min. 125 €*
  • Software MUC.X, min. 299 €
  • Grafiker für Website, z.B. 600 €
  • plus 5,2 % KSK-Abgabe, z.B. 31 € (ab 2017 nur noch 4,8%)
  • Pressung 1.000 CDs, min. 550 €
  • GEMA-Gebühren, min. 872 €*

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              Gesamt Minimumkosten 3.072 €
              *ermäßigt, bei VUT-Mitgliedschaft


Weiterhin erwarten Euch folgende Kosten:

  • Vorschüsse
  • KSK-Abgabe
  • Krankenkassen- und Sozialversicherungsbeiträge
  • Vertrieb   
  • Retouren
  • Promotion und Marketingkosten
  • Layoutkosten
  • sonstige Fixkosten
  • Steuern
  • Anschaffungskosten    


Wann kommen die ersten Einnahmen?

  • Vertrieb: Auszahlungen erfolgen ab Abschluss des 1. Geschäftsquartals
  • GEMA: (nur bei zusätzlicher Verlagsgründung): frühestens 6 Monate nach Vollendung des Abrechnungszeitraums
  • digitaler Vertrieb / Aggregator: meist vierteljährlich, ab Vollendung des 1. Geschäftsquartals
  • GVL: jährlich im Dezember, 1 Jahr nach Vollendung des Geschäftsjahres

  • MPN/ARD Rundfunkanstalten: jährlich, 0,5-1 Jahr nach Vollendung des Geschäftsjahres
  • ... das Ganze natürlich gerechnet nach Fertigstellung der ersten Produktion!!!


Bin ich als Person dafür geeignet?
Die optimale Gründerperson sollte:

  • ein großes Musikwissen/ -verständnis haben
  • ein Unternehmer-Typ sein
  • optimalerweise Kontakte in die Medien- und Musikwelt
  • kaufmännische Grundkenntnisse
  • PC-Kenntnisse
  • Sprachkenntnisse
  • Zeit

          haben.


In einem Label hat man viele verschiedene Bereiche zu „beackern“:

  • Rechtsabteilung
  • Buchhaltung
  • Marketing
  • A&R
  • Produktentwicklung
  • Vertrieb
  • uvm.!


Labels arbeiten heute oft nach dem 360 Grad-Prinzip.
Folgende Bereiche werden oft noch zusätzlich angeschlossen:

  • Management
  • Promotion
  • Verlag
  • Booking
  • Merchandise
  • Mailorder
  • eigene Festivals
  • eigene Magazine


Zu bedenken sind jetzt viele verschiedene Aspekte:

  • Welche Pflichten habe ich?
  • Welche Genres sollen bedient werden?
  • Was ist meine Zielgruppe?
  • Habe ich eine Strategie?
  • Welche Geschäftsform soll ich wählen?
  • Wie komme ich an einen Vertriebspartner?


Wenn nun eine Labelgründung erfolgen soll:

1. Beim Ordnungsamt anmelden:

  • Bei Geschäftsform Einzelunternehmer oder GbR: Gewerbeschein (unbedingt notwendig für GEMA und GVL!) beantragen
  • Bei Geschäftsform GmbH: 25.000 € Einlage, beim Amtsgericht ins Handelsregister eintragen lassen, öffentliche Beglaubigung wird vom Notar vorgenommen.
  • Bei anderer Geschäftsform (AG, Co. KG, KG, ...) bitte einen Anwalt kontaktieren.

2. möglichst VUT-Mitglied werden

  • seid Ihr ja schon, alles richtig gemacht

3. GVL: Wahrnehmungsvertrag abschliessen:

  • Die GVL verwaltet die Lizenzen, die Radio- und Fernsehsender für die Nutzung von Musik zahlen. Sie zahlt an Labels und Studiomusiker aus.


4. GEMA:

  • als VUT-Mitglied bei der GEMA den VUT-Vertrag anfordern (Einzel- oder NormalV)    

5. Deutsches Patentamt:

  • Eintragung des Firmennamens als Marke (optional)

6. Vertriebspartner suchen:

  • Labels bewerben sich bei Vertrieben um einen Vertriebsdeal
  • Vertriebe erhalten ca. 20-30% des Handelsabgabepreises (HAP)
  • Retouren können in Rechnung gestellt werden
  • ohne Vertrieb keine CD im Mediamarkt!

ODER

Selbstvertrieb

  • dann empfehlen wir, EAN-Code und ISRC-Code zu beantragen
  • Selbstvertrieb kann erfolgen über:

               -    Amazon Powerseller Account
               -    eigenen Mailorder
               -    Konzertverkäufe
               -    unabhängige Schallplattenläden
               -    unabhängige Mailorder
               -    non-physisch über Aggregatoren (digitaler Vertrieb)

7. Künstlersozialkasse (KSK):

-    anmelden und die Summe der geschätzten Zahlungen an Künstler (Summe aller Honorare, Lizenz-Zahlungen und Vorschüsse) angeben
-    Abgabe-Satz derzeit bei 5,2%, ab 2017 4.8%

8. Möglichkeit der zusätzlichen Verlagsgründung:
Einen Musikverlag zu gründen bedeutet:
-    Werke zu verlegen und zu monetarisieren
-    GEMA-Aufnahmegebühr und Mitgliedsbeitrag zu zahlen
-    ein Verlag erhält 40% der GEMA-Tantiemen im Mechanischen Recht (MR) und 33,33% der Tantiemen im Aufführungs- und Senderecht (AR)
-    lukrative Synch-Deals im Film- und Werbemarkt möglich

9. Steuern, Krankenkasse und Co.:
-    empfehlenswert für Labels: auf die Kleinunternehmerregelung verzichten
-    informieren, was die Krankenkassenbeiträge, Sozialversicherung betragen
-    Existenzgründerseminar besuchen!!!

10. Recht:
Es schadet nicht, sich mit folgenden Rechtsgebieten zumindest mal grob zu befassen:
-    Urheberrechtsgesetz (UrhG)
-    Urheberrechtswahrnehmungsgesetz (UrhWG)
-    Markengesetz (MarkenG)
-    Gesetz über das Verlagsrecht (VerlG)
-    Künstlersozialversicherungsgesetz (KSVG)

11. Software und Technik:
-    Mindestausstattung
-    Software MUC.X empfehlenswert
-    Bildbearbeitungsprogramm ist ein Plus

Weitere TO DOs:
-    IHK: meldet sich
-    MPN (MusikPromotionNetwork) ARD Sendeanstalten digital bemustern, Rückvergütung möglich, daher empfehlenswert
-    deutsches Musikarchiv in Leipzig: zwei Exemplare jedes Tonträgers senden
-    Geschäftskonto eröffnen
-    Fördermöglichkeiten erkunden (IBB Bank, KfW, Hamburger Labelförderung)

Standardwerke Literatur:
Lothar Scholz „GEMA, GVL & KSK“, PPV Verlag
Moser/Scheuermann „Handbuch der Musikwirtschaft“ Keller Verlag

Weitere Leitfäden zu
GEMA
GVL
MPN
KSK
ISRC Code

Tags: Grundlegendes,Existenzgründung,Musikbranche,Wie funktioniert eigentlich...

Kategorie: Basics

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