VERBAND UNABHÄNGIGER MUSIKUNTERNEHMER*INNEN E.V.
ACT UNITED - STAY INDEPENDENT
Wirtschaft24.09.2019 Autor*in: Désirée Reimer

Music Declares Emergency

Leitfaden für eine nachhaltige Musikwirtschaft

Der VUT hat die Erklärung von Music Declares Emergency mitgezeichnet. Music Declares Emergency ist eine Gruppe von Künstler*innen, Fachleuten der Musikindustrie und Organisationen, die sich zusammengeschlossen haben, um auf einen klimatischen und ökologischen Notstand hinzuweisen und eine sofortige staatliche Reaktion zum Schutz des Lebens auf der Erde zu fordern. "We believe in the power of music to promote the cultural change needed to create a better future."

"Die Musikindustrie mag nicht die erste Branche sein, an die wir denken, wenn wir vom Klimawandel sprechen", schreibt auch die Spex. "Zu Recht, möchte man meinen. Aber sie ist Teil einer vernetzen Welt, in der es keine lokalen Effekte mehr gibt. Deshalb müssen wir eine Diskussion über strukturelle Änderungen anstoßen, die alle miteinbezieht. Musiker*innen, die in der Öffentlichkeit stehen und Einfluss haben. Aber auch deren Manager*innen, die diesen Einfluss formen. Veranstalter*innen müssen sich genauso wie Booker*innen und Locationbetreiber*innen davon überzeugen, dass wir ohne radikale Veränderungen aus der Sache nicht mehr rauskommen. Nur so wird das Publikum folgen." (Quelle: "Schluss mit Indie", Christoph Benkeser, 16. Juli 2019)

Jede*r kann etwas tun, um die Auswirkungen des menschengemachten Klimawandels abzumildern. Wir haben die Handlungsempfehlungen der Music Declares Emergency-Kampagne zugrunde gelegt und ergänzt. Nachfolgend findet ihr eine Liste mit Ideen und Beispielen, anhand derer ihr in eurer geschäftlichen Praxis in der Musikwirtschaft dazu beitragen könnt, einen nachhaltigeren Weg zu gehen.

Ihr müsst nicht von heute auf morgen alles umsetzen – nehmt euch heraus, was ihr für realistisch haltet und probiert es aus! Wenn viele ein bisschen tun, wird auch das eine größere Summe CO2 einsparen. Je mehr ihr umsetzt, desto größer ist eure Wirkung – darauf könnt ihr stolz sein.

Bevor ihr startet, könnt ihr eure Ausgangslage feststellen: Messt eure Umweltauswirkungen mit dem Creative Green Tool CO2 Rechner für Büros oder dem CO2-Rechner des Umweltbundesamtes.

Vorschläge für konkrete Maßnahmen:

Strom und Gas aus erneuerbaren Energien

  • Wechselt zu 100% erneuerbarem Strom für euer Büro
  • Nutzt möglichst solche Anbieter, die ausschließlich grünen Strom anbieten und unterstützt kleine und regionale Unternehmen – nach Möglichkeit Anbieter, die das GSL (Grüner Strom Label) tragen

Flugreisen und Kompensation

  • Ersetzt nach Möglichkeit Inlandsflüge durch Bahnreisen – so habt ihr auch längere Zeit zum Arbeiten an Bord
  • Kauft für unvermeidliche Flüge und Autoreisen CO2-Kompensationen oder spendet einen entsprechenden Betrag für Klimaprojekte. Eine Reduzierung eurer Flugmeilen ist sicher sinnvoller, aber Kompensation oder Spende ist ein Anfang. (Ausgleichszahlungen an gemeinnützige Anbieter sind übrigens als Spende absetzbar.)
  • Empfehlenswerteste Anbieter sind laut Stiftung Warentest: atmosfair, Primaklima und Klima-Kollekte

Alternative Verkehrsmittel zur Arbeit und für Dienstreisen

  • Nutzt z.B. elektrobetriebene (Miet)-Autos, Taxis oder Fahrservices
  • Bahn statt Flüge: Inlandsflüge sollte jeder einsparen können. Nutzt bei Auslandsflügen die 2. Klasse, Direktflüge und klimaneutrales Fliegen durch Kompensation.
  • Warum eigentlich nicht mit dem Fahrrad, Bus und Bahn zur Arbeit fahren?
  • Zudem: Home-Office spart auch CO2!
  • Erwägt Lastenradlieferungen.

Drucksachen, Tonträger- und Merchandiseproduktion

  • Umstellung von Kunststoff- auf Kartenverpackungen für CDs
  • Vinyl-Releases auf 140 Gramm statt 180 Gramm – die Klangqualität ist identisch, aber der CO2-Fußabdruck durch Herstellung und Versand ist proportional geringer.
  • Verwendung von recyceltem oder FSC-zertifiziertem Papier und Karton
  • Papierhandtücher abschaffen und durch echte ersetzen
  • Papier sparen – Ausdrucke systematisch kritisch hinterfragen
  • Zeitungen abbestellen und online lesen
  • Zertifizierte Bio-Baumwolle (z.B. Soil Association, Global Organic Textile Standard) oder Kleidung aus nachhaltigeren Fasern wie Bambus oder Hanf für Merchandise-Produkte verwenden
  • Klimaneutraler Druck wird von immer mehr Druckereien angeboten
  • Verwenden von Recycling-Papier (sieht oft sogar hochwertiger aus)
  • Arbeitet mit Druckereien und Herstellern zusammen, die über Umweltrichtlinien und Räumlichkeiten verfügen, die zu 100 Prozent mit erneuerbarem Strom betrieben werden.

Lieferung, Einkauf und Transporte

  • Prüft, ob ihr LPs und CDs statt per Luftpost mit Seefracht verschicken könnt, die deutlich weniger CO2-intensiv ist
  • Nutzt in der Stadt Fahrrad- statt Autokurierdienste
  • Einige Paketdienste bieten klimaneutralen Versand an.
  • Kauft Produkte von regionalen Anbietern statt per Langstrecken-Versand aus China oder Hongkong
  • Sharing is caring – und macht Spaß: Teilt den Schredder u.v.m. mit der Bürogemeinschaft.

Technik

  • Nutzt die Suchmaschine Ecosia (d.h. pro 45 Suchanfragen einen Baum pflanzen und nebenbei Google weniger mit euren Daten füttern).
  • Eine reduzierte Bildschirmhelligkeit reduziert auch die Stromkosten.
  • Muss es jedes Jahr ein nagelneuer Rechner, ein neues Handy sein? Prüft euren Technikkonsum, nutzt ggf. aufbereitete Second-Hand-Geräte und bringt eure alten Rechner zum Recycling.
  • Laptops sparen Energie im Vergleich zu Desktop-Rechnern.
  • Nutzt Kippschalter für alle Verteilerdosen.
  • Nutzt LED-Lampen – sie sparen viel Energie.
  • Aktiviert den Stromsparmodus in Geräten.
  • Verwendet aufladbare Batterien.

Konferenzen, Veranstaltungen und Meetings

  • Wechselt zu Onlinekonferenzen statt echten Dienstreisen, wann immer möglich.
  • Verbannt Einweggeschirr von Partys und Festen.
  • Kauft Getränke in Glasflaschen statt Plastik.
  • Kauft direkt vom Fleischer, Bäcker etc. und erzeugt so weniger Verpackungsmüll.
  • Betreibt ihr eine Spielstätte oder ein Festival: Ermutigt euer Publikum, öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen. Stellt sicher, dass Informationen über die Anfahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln, Fahrrad oder zu Fuß zum Veranstaltungsort jederzeit verfügbar sind und setzt wenn möglich Anreize für deren Verwendung.
  • Setzt die Umwelt aufs Menü: Bietet vegetarische und vegane Optionen beim Catering oder auf eurer Speisekarte an (oder werdet 100% fleisch- und fischfrei). Kauft  lokale, saisonale und Bioprodukte.

Finanzen

  • Wenn möglich, wechselt zu einer ethischen Bank, die nicht in kohlenstoffintensive fossile Brennstoffe investiert, siehe: Vergleich grüne Banken
  • Erwägt Investitionen in Projekte im Bereich der erneuerbaren Energien.
  • Wenn vorhanden, Devestition eurer Pensionskasse aus fossilen Brennstoffen.

Büro & Umgebung

  • Dreht die Heizung im Büro aus wenn ihr geht – prüft generell auch eure Isolierung und Heizeffizienz – und mit was wird eigentlich euer Büro beheizt?
  • Nutzt (nachhaltig produzierten) Kaffee aus Filter- oder Kaffeemaschinen ohne Kapseln und plastikverpackten Pads.
  • Kauft Büromöbel aus nachhaltigen Quellen. Wählt Holz aus FSC-Wirtschaft, spart Plastik ein, kauft Second-Hand-Büromöbel und verschenkt, verkauft oder recyclet eure alten Möbel.
  • Viele Büros haben eine Terrasse, Garten oder Balkon – warum nicht bepflanzen? Bienenfreundliche Pflanzen, Bäume, Gründach oder vielleicht Bürogemüse für zwischendurch – Gärtnern entspannt mehr als die Raucherpause und schafft Teamgeist.

Plastik einsparen

  • Plastikherstellung erzeugt in hohem Maße CO2, Plastik vermüllt die Meere und gelangt in den Nahrungskreislauf.
  • Nutzt Seife statt Flüssighandseife.
  • Nutzt Geschirrspülertabs mit löslicher Folie.
  • Nutzt Mehrweggeschirr auf Partys.
  • Kauft den Kaffee to go lieber im Mehrwegbecher.
  • Ersetzt Einweg- mit Mehrwegflaschen.
  • Nutzt vorhandene Jutebeutel statt Plastiktaschen.
  • Kauft Obst lose, Fleisch bei der Fleischerei und Brot in der Bäckerei unverpackt.
  • Reduziert Plastik-Verpackung beim Versand von CDs und anderen Produkten.
  • Müll trennen spart Ressourcen und CO2: Jede durch Abfalltrennung und Recycling vermiedene Tonne Primärrohstoff vermindert den Rohstoffverbrauch und die Treibhausgasemissionen. 

Politisch aktiv werden

  • Macht ökologische Nachhaltigkeit zu einer Priorität in eurem Unternehmen.
  • Ihr könnt jemanden im Team benennen, der für die Ökologisierung eurer Aktivitäten verantwortlich ist.
  • Sprecht mit euren Künstler_innen darüber, was sie tun können und wie ihr sie unterstützen könnt.
  • Unterstützt Umweltkampagnen und -veranstaltungen.
  • Engagiert euch politisch mit demokratischen Mitteln, ob Demonstrationen, Petitionen, Briefe an Abgeordnete usw.
  • Nutzt eure Reichweite um Sichtbarkeit für das Thema zu schaffen.
  • Sprecht mit euren Fans über die Klima- und Umweltkrise, wann und wo immer ihr könnt und fordert sie auf, sich euch anzuschließen. 


Wer privat ebenfalls etwas tun möchte, kann vor allem seinen Fleischverbrauch reduzieren, Margarine statt Butter verwenden, mehr regionales und Bioprodukte kaufen und auf Früchte aus anderen Kontinenten verzichten u.v.m. – in unserem Lebensmittelkonsum ist jede Menge CO2-Einsparpotenzial vorhanden.

Mehr Informationen über Music Declares Emergency und das Formular zum Unterzeichnen findet ihr unter www.musicdeclares.net.

Tags: Wirtschaft, Wirtschaft Mitgliederbereich,

Kategorie: VUT Start, VUT Intern, Musikwirtschaft,

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