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Presse04.05.2021 Autor*in: Mark Chung

Persönlicher Brief an John Hendrik Weitzmann & Julia Reda

Liebe Julia Reda, lieber John Weitzmann,
vielen Dank für die Blumen.

Ich gebe es zu: Ich kontrolliere aus meinem kleinen Home-Office die Gedanken und Tastaturen Tausender Künstler*innen, zusammen übrigens mit meinem Freund Bill Gates. Lasst Euch baldmöglichst impfen – dann werdet auch ihr wissen was zu tun ist.

Wir würden alle noch befreiter über solch groben Unfug lachen können, wenn der Hintergrund Eurer etwas panisch wirkenden, offensichtlich und nachweislich falschen Einlassungen nicht so arrogant und herablassend wäre.

Wenn ihr wirklich glaubt, hochintelligente Künstler*innen wie Peter Maffay oder Balbina würden einfach mir zuliebe einen Brief unterschreiben, solltet ihr das Offensichtliche tun – mit den beiden, die u.a. in der Süddeutschen Zeitung ausführlich hierzu Stellung genommen haben, sprechen.

Mehr gibt es hierzu eigentlich nicht zu sagen, denn es ist ganz einfach:

Die weitaus größte Zahl der Unterzeichner*innen hat noch nie von mir gehört.

Ich unterstütze den Brief – persönlich, als zumindest ehemaliger Künstler, als Musikverleger und auch als (noch) Vorstandvorsitzender des VUT. Ich habe ihn deshalb an einige der mir bekannten Unterzeichner*innen des ersten Briefes weitergeleitet und sie gebeten zu überlegen, ob sie auch diesen zweiten Brief unterschreiben möchten.

Geschrieben habe ich an dem Brief kein Wort. Ich hätte ihn wahrscheinlich anders formuliert, aber weil ich ihn unterstütze, finde ich auch nicht schlimm, dass Du, John, mir Auszüge daraus in den Mund legst. Die beleidigende und herablassende Weise, in der Du Herbert Groenemeyer und Farin Urlaub das Recht absprichst, sich zu einem Gesetz zu äußern, dass sie – anders als Wikipedia – direkt und erheblich betrifft, spricht allerdings Bände.

Julia, Du wirst nicht müde zu behaupten, Politiker*innen müssten doch den Forderungen der YouTuber*innen nachkommen, die an Demonstrationen teilgenommen haben. Sollen wir uns nochmal ansehen, mit welchen Behauptungen YouTube-CEO Susan Wojcicki alle YouTuber*innen wirkungsvoll aufgerufen hatte, sich "Gehör zu verschaffen"? Sie informierte die junge "YouTuber-Gemeinde" u.a., dass die Richtlinie "Millionen YouTube Kanäle abschaffen" würde. Dagegen hätte ich auch demonstriert – wenn es wahr gewesen wäre.

Während ich Euch hier – übrigens persönlich, ohne irgendein Mandat – schreibe, höre ich gerade, dass nochmal an die Hundert weitere Künstler*innen den Brief unterschrieben haben. Ich habe offensichtlich endlich auch Multitasking gemeistert.

Der eigentlich zu erwartende Shitstorm fällt trotz Eurer Tweets und Tagesspiegel-Veröffentlichung noch sehr bescheiden aus. Ist das schon alles? Losing your touch?

Freundliche Grüße,

Mark Chung

Tags: Urheberrecht, Positionspapiere, Politik, Value gap,

Kategorie: Presse,

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