Das deutsche Musikarchiv

27.11.2020

Das Deutsche Musikarchiv sammelt und bewahrt sämtliche in Deutschland veröffentlichten Tonträger seit Beginn der Schallaufzeichnung. Damit übernimmt es die Funktion eines musikalischen Gedächtnisses für Deutschland. Solange diese Medien urheberrechtlich geschützt sind, können sie ausschließlich in den Lesesälen der Bibliothek gehört werden. Derzeit umfasst die stetig wachsende Sammlung mehr als eine Million Tonträger, die physisch oder digital unter idealen Bedingungen archiviert sind. 

Um diesem Sammelauftrag wertfrei, wirtschaftlich unabhängig und vollständig nachzukommen, hat der Gesetzgeber die Pflichtablieferung eingeführt: Jeder Tonträgerhersteller in Deutschland ist verpflichtet, das Deutsche Musikarchiv zu beliefern. Bei Fragen könnt ihr euch gern an die untenstehende Adresse wenden. Mehr Informationen zur Pflichtablieferung findet ihr unter diesem Link.

Das Gesetz über die Deutsche Nationalbibliothek (DNBG) und die Pflichtablieferungsverordnung (PflAV) enthalten klare Definitionen der zu sammelnden Materialien. Gesammelt werden alle Medienwerke, die in körperlicher Form verbreitet oder in unkörperlicher Form der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Das sind alle Darstellungen in Schrift, Bild und Ton, die in körperlicher Form auf Papier, elektronischen und anderen Datenträgern vorliegen oder in unkörperlicher Form in öffentlichen Netzen verbreitet werden. Dabei ist es unerheblich, ob das Medienwerk über eine Standardnummer wie ISBN o. ä. verfügt oder ob eine Meldung an Datenbanken wie Verzeichnis lieferbarer Bücher (VLB) oder Phononet erfolgt.

Die Deutsche Nationalbibliothek sammelt z. B.:

  • Bücher, Karten, Normen, Zeitschriften, Zeitungen, Tageszeitungen in Auswahl, zeitschriftenartige Reihen (Jahrbücher), Loseblattwerke, Dissertationen und Habilitationsschriften (nicht aus dem Ausland)
  • Musikalien und Musiktonträger
  • Sprechtonträger
  • Dia- und Arbeitstransparent-Serien
  • Mikroformen
  • Medienwerke auf elektronischen Datenträgern (z. B. CD-ROMs, Disketten)
  • Netzpublikationen wie E-Books, E-Journals, Webseiten, Blogs und andere digitale Veröffentlichungen

Welche Besonderheiten gibt es bei der Sammlung von Musikalien und Tonträgern?

Die Erwerbung und Erschließung obliegt dem Deutschen Musikarchiv als Teil der Deutschen Nationalbibliothek. Deshalb liefern die Verleger*innen und Produzent*innen von Musikalien und Musiktonträgern aller Bundesländer von jeder Neuerscheinung ihre beiden Pflichtexemplare an das Deutsche Musikarchiv, Deutscher Platz 1, 04103 Leipzig.

Um eine vollständige und sachgerechte Sammlung, Archivierung und nationalbibliografische Verzeichnung von physischen Musikalien und Tonträgern zu gewährleisten, sind die einzelnen Pflichtstücke in zwei Exemplaren vollständig mit allen zu ihnen gehörenden Beilagen oder Teilen (z. B. Stimmen) abzuliefern.

Tonträger

Zu den Musiktonträgern gehören auch Filmwerke, bei denen die Musik im Vordergrund steht. Sie unterliegen, wie die anderen Tonträger auch, der Pflichtablieferung. Es handelt sich dabei inhaltlich um Konzertmitschnitte, Videoclips, filmische Umsetzungen von Vorlagen des Musiktheaters, Adaptionen von Opern, Operetten, Musicals, Balletten u. Ä. Es sind jedoch nur Filmwerke abzuliefern, die nach Inkrafttreten des Gesetzes über die Deutsche Nationalbibliothek von 2006 neu ins Angebot der Tonträgerhersteller aufgenommen wurden.

Digitale Bemusterung: Die Ablieferung digitaler Musik ist derzeit noch nicht möglich, aber für die nahe Zukunft vorgesehen. Das Deutsche Musikarchiv wird darüber informieren, Rückfragen können aber jederzeit gerne per Email an np-info(at)dnb(dot)de gerichtet werde; dabei bitte Namen des Labels, Adresse und Labelcode nennen.

Zuschuss

Die Deutsche Nationalbibliothek zahlt nach §6 PflAV einen Zuschuss, wenn die Gesamtauflage des Medienwerkes höchstens 300 Exemplare und die Herstellungskosten für die abzuliefernden Ausfertigungen jeweils mindestens 80,- Euro betragen. 

Der Zuschuss wird in Höhe der Herstellungskosten der abzuliefernden Ausfertigungen, höchstens jedoch in Höhe des niedrigsten Abgabepreises der entsprechenden Anzahl von Exemplaren der Gesamtauflage gewährt.

Herstellungskosten sind in der Regel die Kosten der Vervielfältigung einschließlich der Kosten für Trägermaterialien, Einband und Behältnisse. Nicht zu den Herstellungskosten gehören die auf der Gesamtauflage ruhenden Kosten wie Satzkosten, Autorenhonorare, Lizenzkosten und Gemeinkosten sowie die Mehrwertsteuer bei Unternehmer*innen, die zum Vorsteuerabzug berechtigt sind.

Weitere Informationen:

Wer ist für mich zuständig und wohin schicke ich meine Pflichtexemplare?

Das Deutsche Musikarchiv in Leipzig bearbeitet Musikalien und Tonträger. Schickt daher die zwei Pflichtexemplare jeder Neuerscheinung an das Deutsche Musikarchiv, unabhängig davon, in welchem Bundesland der Sitz Eures Unternehmens ist. Nach der Bearbeitung wird das Zweitexemplar magazinreif an den Frankfurter Standort der Deutschen Nationalbibliothek weitergeleitet.

Bitte legt der Sendung einen Lieferschein oder ein formloses Schreiben bei, aus dem eure Absenderangaben deutlich hervorgehen.

Kontakt

Deutsche Nationalbibliothek
Deutsches Musikarchiv
Deutscher Platz 1
04103 Leipzig

Telefon: +49-341-2271-150
Fax: +49-341-2271-140
E-Mail: info-dma(at)dnb(dot)de

VUT Akademie

Die Aufzeichnung des Online-Seminars "Musikalisches Gedächtnis trifft Pflichtabgabe: Was macht das Deutsche Musikarchiv?" im Rahmen der VUT Akademie könnt ihr unter diesem Link ansehen.